Eschi hat einen Lichtertraum

Eschi mit Laterne (c) Leonie Herzog
Datum:
Di. 10. Nov. 2020

Müde stapft Eschi die Treppe hoch. Es ist schon neun Uhr abends und der Tag war viel zu lang und ganz anders, als er es sich gewünscht hatte.

Er ist richtig traurig, denn zum ersten Mal war St. Martin ohne Martinszug, ohne St. Martin auf seinem Pferd und ohne Martinsweckmann.

Er ist mit Mama und Papa durch die Straßen des Dorfes gegangen und ja, in jedem Fenster hingen leuchtende Laternen, aber es war halt nicht St. Martin wie sonst all die Jahre.

Lichtertraum (c) Bild: Angela Pohl

Schon wieder hat Corona mir einen Strich durch die Rechnung gemacht, denkt Eschi und schnieft. Nein, er hat keinen Schnupfen, er ist einfach nur ganz traurig, weil er nicht wie sonst mit Eli und Caro mit dem Martinszug gehen konnte. Die beiden waren erkältet und durften deshalb nicht im Dunkeln raus.

Caros Mama hatte gesagt: „Die Nachtluft ist nicht gut bei einer Erkältung.“

Eschi zieht sich den Schlafanzug an, putzt die Zähne und krabbelt ins Bett. Da kommt auch schon die Mama, um ihm gute Nacht zu sagen. Sie beten zusammen das Vater unser und Mama zieht Eschi noch einmal die Decke über die Schultern. „Damit du nicht frierst, mein Kleiner!“ sagt sie zärtlich und streichelt sein Gesicht. „Sei nicht mehr traurig und träume etwas Schönes. Eschi nickt und winkt Mama noch zu, als sie aus dem Zimmer geht. Er denkt noch: Gott sei Dank ist der Tag vorbei – und dann ist er auch schon eingeschlafen.

Im Traum geht er noch einmal durch die Straßen und sieht die vielen kleinen Laternenlichter in den Fenstern. Und dann – auf einmal passiert etwas. In jedem Fenster schwebt die kleine Kerzenflamme aus der Laterne heraus und die kleinen Lichter sammeln sich über Eschis Kopf.

Eschi schaut nach oben und wie er so schaut und schaut, verschwimmen die vielen Kerzenlichter auf einmal ineinander und werden zu einem riesig - großen Kerzenlicht, dass durch die Luft schwebt.

Am nächsten Morgen wacht Eschi auf und räkelt und streckt sich erst einmal. Er läuft ins Badezimmer und macht sich für die Schule fertig. Dann geht er in die Küche und bekommt von Mama – Eschi staunt – einen Martinsweckmann. Mama sagt: „Du warst gestern Abend so traurig, dass ich mir gedacht habe, ich backe dir einen ganz besonderen Martinsweckmann, nur für dich ganz allein.“

Eschi freut sich riesig, denn jetzt hat er doch ein bisschen das Gefühl wie sonst an St. Martin. „Danke, Mama, du bist in diesem Jahr für mich der St. Martin.“

Eschi packt ein Stück von dem Martinsweckmann in die Butterbrotdose und dann muss er schnell los.

In der Schule angekommen, trifft er Caro und Eli. Sie sind wieder gesund und fröhlich reden die drei miteinander.

In der ersten Stunde haben sie Kunst und der Kunstlehrer, Herr Goldmann bittet die Kinder, ein Bild zu St. Martin zu malen.

Viele aus der Klasse motzen rum, sie finden es zu schwer, denn sie können so schlecht Menschen malen.

Eschi überlegt und da fällt ihm sein Traum ein. Er nimmt seine Wasserfarben und ein großes Blatt und malt das, was er in seinem Martinstraum gesehen hat:

Eschi St. Martin (c) Tobias Kölling

Herr Goldmann geht durch die Klasse und schaut sich jedes Bild an. Bei Eschi bleibt er stehen und staunt. Er kann sich nicht erklären, was Eschi da gemalt hat. Er will schon etwas sagen, aber Eschi ist schneller und sagt: „Herr Goldmann, ich bin gleich fertig. Darf ich dann zu meinem Bild eine Geschichte erzählen?“

Jetzt wird Herr Goldmann neugierig und sagt: „Das darfst du tun und ich bin gespannt, was dein Bild bedeuten soll.“

Eschi malt noch die letzten gelben Stellen in sein Bild und Herr Goldmann sagt: „Dann komm mit nach vorne.“

Zu den anderen Kindern sagt er: „Hört mal zu! Eschi hat ein ziemlich rätselhaftes Bild zu St. Martin gemalt und er möchte uns eine Geschichte dazu erzählen. Dann, Eschi, fang mal an.“

Eschi lehnt sein Bild an die Tafel und erzählt: „Ich hatte heute Nacht einen Traum. Ich bin durch die Straßen gegangen und an jedem Fenster hing eine leuchtende Martinslaterne.

Und auf einmal ist dann etwas passiert. Alle kleinen Flammen aus den Laternen kamen nach draußen und bildeten eine einzige große Flamme.

Und diese Flamme habe ich gemalt. Und beim Malen habe ich mir dann überlegt, wie es wäre, wenn diese Flamme um die ganze Welt geht und allen Menschen das Licht bringt. Dann hätten wir unser Licht mit allen Menschen auf der Welt geteilt.“

Die Kinder in der Klasse sagen erst einmal gar nichts, sie staunen. Auch Herr Goldmann sagt erst einmal nichts.

Da zeigt Caro auf, und sagt: „Mensch Eschi, dass war ja ein schöner Traum und ich fände es ganz toll, wenn wir wirklich Licht zu den Menschen bringen könnten.“

Die anderen Kinder nicken und klatschen in die Hände, weil ihnen die Geschichte so gut gefallen hat.

Herr Goldmann hat bisher nichts gesagt, aber jetzt ergreift er das Wort und sagt: „Wenn wir nachher zusammen Musik haben, dann spiele ich euch einmal das Lied „Lichterkinder“ vor und gebe euch den Text dazu. Ihr könnt ja dann einmal mit Frau Fromme überlegen, ob euch eine Möglichkeit einfällt, Licht miteinander zu teilen.“

Wenn ihr auch einmal das Lied hören wollt, das Eschi und die Kinder aus seiner Klasse im Musikunterricht gehört haben:

Wenn ihr auch einmal das Lied hören wollt, das Eschi und die Kinder aus seiner Klasse im Musikunterricht gehört haben:

10. Nov. 2020