Eschis „erster Schultag“

Klassenzimmer (c) Bild von Wokandapix auf Pixabay
Datum:
Fr 14. Aug 2020

Eschi freut sich und er ist ganz aufgeregt: Er darf wieder normal in die Schule gehen. Jetzt sind die Sommerferien vorbei und alle sind gesund.  Endlich sieht er seine Freunde und die Lehrer wieder.

Eschi Fragezeichen (c) Eschi

Eschi überlegt: Eigentlich ist das ein bisschen wie ein erster Schultag. Natürlich ist er kein I-Dötzchen und natürlich weiß er eigentlich, was Schule ist, aber trotzdem.

Seine Mama hat neulich zu ihm gesagt: „Eschi, du hast dich ganz schön verändert. Manchmal kenne ich dich nicht wieder.“

Eschi denkt: Wenn ich mich verändert habe, dann ist das bestimmt bei meinen Klassenkameraden genauso. 

Wir sind halt alle größer und älter geworden. Hoffentlich erkennen wir uns gegenseitig wieder.

Vielleicht ist der Heini ja jetzt endlich ein bisschen netter und haut nicht immer gleich los, wenn ihm etwas nicht passt.

Und dann ist da ja auch Caro, das nette Eselsmädchen, dass noch nicht so lange in Eschis Klasse geht. Eschi hofft, dass Caro immer noch so lieb und nett ist und ihm immer hilft, wenn er in Mathe nicht so schnell ist wie die anderen.

Nur bei Eli ist er sich sicher: Den erkennt er sofort, schließlich haben sie ja die ganzen Ferien miteinander verbracht.

In diese Gedanken hinein platzt Mama und sie hat ein blaues Buch in der Hand. Sie sieht Eschis gedankenvolles Gesicht und lächelt: „Da kommt mein Geschenk zum Schulanfang ja gerade richtig. 

Schau mal Eschi: Ich möchte dir ein Tagebuch schenken. Darin kannst du alles aufschreiben, was dir im Moment wichtig ist oder was du am Tag erlebst.

Dann kannst du dich später daran erinnern und vielleicht helfen dir deine Gedanken von heute dann auch einmal weiter, wenn du ratlos bist.

Bei mir ist das jedenfalls so.“

Eschi strahlt. Seine Mama weiß halt immer, was er gerade braucht. Manchmal möchte er in der Schule gerne von seinen Ideen und Gedanken erzählen, aber er weiß genau, dass der doofe Heini das nicht versteht und ihn dann vor der ganzen Klasse auslacht. 

Aber wenn er alles aufschreibt, was ihm wichtig ist, dann kann er es eines Tages mal mit Eli und vielleicht auch (das denkt er jetzt ganz heimlich) auch mal mit Caro zusammen lesen. Das fände er ganz toll. Jetzt wird er sogar auch ein bisschen rot, aber Gott sei Dank hat Mama das nicht gesehen.

Eschi weiß auch schon, was er als erstes in sein Tagebuch schreiben wird.

Als er nämlich ins erste Schuljahr gekommen ist, da haben sie zuerst einen Gottesdienst gefeiert und dazu haben sie eine Phantasiereise gemacht.

Den Text der Phantasiereise hat ihnen Frau Fromme, die Religionslehrerin dann geschenkt und sie hat gesagt:“ Behaltet die Geschichte gut. Sie kann euch manches Mal bestimmt helfen, wenn etwas schwierig ist.“

 

Eschi läuft ins Wohnzimmer. Dort im Wohnzimmerschrank steht ein Ordner, in dem verwahrt Mama die wichtigen Sachen von ihm und Eschi weiß, darin ist auch die Geschichte.

„Mama, du musst mir mal helfen. Ich brauche aus meinem Ordner die Geschichte von dem Haus im Wald, in dem die alte weise Frau wohnt.“

Mama weiß nicht recht, was Eschi meint, aber sie holt den Ordner aus dem Schrank und schaut ihn gemeinsam mit Eschi durch. Und ja – da ist die Geschichte.

Eschi fragt: „Mama, darf ich die Geschichte haben, ich möchte sie gerne in mein Tagebuch abschreiben?“

Mama sagt: Du darfst sie gerne haben, aber ist es nicht eine bessere Idee, sie in das Tagebuch einzukleben. Schau mal: Sie ist auf so schönem Papier gedruckt, dann wäre es doch schön, wenn sie auf dem Papier bleibt.“

Eschi nickt eifrig: „Ja, Mama, das ist eine tolle Idee. Und ich möchte, dass du mir die Geschichte jetzt noch einmal vorliest, dann habe ich sie wieder im Kopf, wenn ich jetzt ein bisschen wie zum ersten Mal in die Schule gehe.“

Mama kennt ihren Eschi gut und spürt, wie aufgeregt er ist.

Beide setzen sich gemütlich auf die Couch, Eschi kuschelt sich bei Mama ein und Mama beginnt zu lesen:

Du bist unterwegs auf einem Spaziergang in der Natur.
Es ist ein Weg, den du gut kennst, der dir vertraut ist.
Du siehst eine Wiese, Büsche und Bäume, und du siehst den Himmel über dir.

Da entdeckst du etwas hinter den Bäumen - es ist ein kleines Haus,
das du bis jetzt noch nie wahrgenommen hast.
Es schaut schön und gemütlich aus.
Du stehst davor und bewunderst es - da geht die Tür auf.

Eine alte, weise Frau steht in der Tür.
Sie schaut dich sehr klug und freundlich an, als ob sie dich schon lange kennt.
Dann nickt sie dir liebevoll zu, begrüßt dich und lädt dich ein, hereinzukommen.
Du kommst in eine warme, gemütliche Stube.
In der Mitte steht ein Tisch und darauf brennt eine Kerze.
Ihr setzt euch beide.

Sie schaut dich wieder freundlich an und sie sagt deinen Namen.
Dann legt sie drei Karten vor dich hin - in drei verschiedenen Farben Gelb – grün - rot.
Jede Karte hat eine Bedeutung.

Die gelbe Karte bedeutet Freude.
Schau sie dir an!
Es wird dir etwas einfallen, worauf du dich im kommenden Jahr freuen kannst.
Du bist schon sehr gespannt und neugierig.
Du wirst vielleicht ein Wort oder einen Gedanken oder ein Bild dafür finden.
Worauf kannst du dich im kommenden Jahr freuen? - Merk es dir gut!

Die grüne Karte steht für Furcht.
Schau sie dir an!
Sie verrät dir, wovor du dich im kommenden Jahr fürchtest.
Was könnte dir im kommenden Jahr Angst machen?
Du wirst vielleicht ein Wort oder einen Gedanken oder ein Bild dafür finden.
- Merk es dir gut!

Die rote und letzte Karte bedeutet Kraft.
Schau sie dir an!
Sie zeigt dir, was dir im neuen Jahr Kraft gibt.
Du bist schon sehr gespannt und neugierig.
Du wirst vielleicht ein Wort oder einen Gedanken oder ein Bild dafür finden.
Wer oder was könnte dir Kraft geben? - Merk es dir gut!

Jetzt schaust Du wieder zu der Frau hoch.
Sie schaut dich immer noch freundlich und liebevoll an.
Dann nimmt sie deine Hand und sagt zu dir: "
Ich kenne jemanden, der immer bei dir ist.
Ich glaube daran, dass Gott immer bei dir ist.
Und ich weiß, dass es manchmal schwer ist, zu glauben, dass es Gott gibt.
Das ist in Ordnung. Ich möchte dir aber etwas mitgeben."

Sie dreht deine Hand um zur Innenfläche.
Sanft zeichnet sie mit den Fingern ein Kreuz in deine Hand.
Dazu sagt sie: "Gottes Segen mit dir im neuen Schuljahr".
Dann stehst du auf und sie geleitet dich aus der Tür.

Noch lange bleibt Eschi in Mamas Arm gekuschelt sitzen, denn jetzt spürt er es ganz deutlich: Er ist nicht allein. Er hat Mama und Papa, die ihn sehr liebhaben und für ihn da sind.

Mit seinen Freunden kann er gut spielen und sie helfen ihm.

Und dann – vor allem ist Gott da, der ihn beschützt und begleitet – immer.