Gott loben und preisen

Christen aus Eschweiler und Umgebung wollen die Freude am Gebet mitten in den Alltag tragen – mit dem Gebets-Kraftwerk

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Datum:
Mi 30. Sep 2020

In Eschweiler hat sich in den vergangenen Wochen das ökumenische „Gebets-Kraftwerk“ gegründet. Keine neue Gemeinde, wie Michael Datené, Leiter der Pfarrei 
St. Peter und Paul und einer der Initiatoren, erklärt, sondern eine Gruppe Menschen aus Eschweiler, Düren und Umgebung, die „die Sehnsucht, dass Gott in unserer Zeit, in unserer Stadt, in unseren Herzen angebetet und verherrlicht wird, dass sein Lobpreis Tag und Nacht nicht abbricht!“ umtreibt.  

Zurzeit versucht die Gruppe über Aktionen wie den Gebets-Kraftwerk-Bauwagen, bekannter zu werden. (c) privat

Ihre Gebetserfahrungen wollen sie vertiefen, mit anderen teilen und einladen, das Gebet als Kraftquelle (neu) für sich zu entdecken. Beten und Gott lobpreisen sollen dabei so vielfältig sein wie die Menschen, die es tun – von den Psalmen über das Stundengebet bis zum frei formulierten Gespräch mit Gott, es kann leise oder laut sein, gesprochen, gesungen, musiziert oder… Aber der Reihe nach.


 >>Was war die Initialzündung?

Für Jutta und Helmut Rövenich, sie katholisch, er Freikirchler und Mitgründer des Gebetshauses Düren, das sich dem Gebets-Kraftwerk angeschlossen hat, waren das zwei Dinge: ein Vortrag über das Gebetshaus in Augsburg und die Erfahrung, dass Gebete wirken. Gemeinsam mit anderen hätten sie für eine schwer erkrankte Freundin gebetet, deren Situation objektiv wenig Anlass zur Hoffnung gegeben hätte. Entgegen aller Erwartung sei sie gesund geworden. Da sei für sie klar gewesen: „Wir können nicht aufhören, Gott will das.“

Für Michael Datené war es ein Vortrag von Johannes Hartl, dem Gründer des Augsburger Gebetshauses. Darüber sei ihm noch einmal klar geworden: „Christ sein ist nicht nur, ein guter Mensch zu sein, sondern Gott zu folgen. Gebet ist die Grundlage von allem, das Fundament. Egal wie die Kirche der Zukunft aussehen wird.“ Von der ökumenischen „Mehr“-Konferenz 2018 kam er mit der Vision zurück, in Eschweiler ein Gebetshaus zu gründen, mit Menschen, die wie er nach dem „Mehr“ in ihrem Glauben suchen.

 

 >>Warum Gebets-Kraftwerk?

Der Name habe sich quasi wie von selbst ergeben, berichtet Michael Datené. Das Braunkohlekraftwerk in Weisweiler präge die Stadtsilhouette von Eschweiler, dort entstehe Energie für die ganze Region. „Das Gebets-Kraftwerk wird ein Ort sein, an dem eine noch viel dringender benötigte Energie gewonnen wird.“ Hier solle Gottes Kraft in die Stadt und die Region „hineingebetet“ werden. Das spiegelt sich auch im Logo, das eine Krone, ein Herz und einen Blitz verbindet. Die Krone zeige, dass Gott König sei, Herrscher über Welt und Zeit. Sie erinnere aber auch an die Zinnen einer Burg: „Gott selbst ist unsere Zuflucht, unser Schutz, bei ihm sind wir geborgen.“ Das Herz steht für Gottes Liebe zu den Menschen. Der Blitz symbolisiert die Zerrissenheit, aber auch die Energie, die über das Gebets-Kraftwerk entstehen soll.

 

>> Was hat sich bislang getan?

Corona sei nicht der Auslöser gewesen, habe aber der Gründung noch einen Schub gegeben, betonen die Initiatoren. Der Shutdown habe bei vielen ein Gespür für Gott geweckt, sie die spirituelle Dimension des Lebens für sich entdecken lassen. Eine erste Aktion war das 24/7-Gebet, eine Woche lang das Gebet nicht abreißen zu lassen, von Christi Himmelfahrt bis Pfingsten. Über das Internet gab es einen Stundenplan, in den man sich eintragen konnte, um mitzubeten, so wie jede oder jeder konnte und da, wo er oder sie gerade waren.

Daneben hat Michael Datené Menschen verschiedener Konfessionen aus Eschweiler angesprochen, ihnen von der Idee des Gebets-Kraftwerks erzählt und sie gefragt, ob sie Mitbegründer werden wollten. Zu zwölft („eine symbolträchtige und passende Zahl“) haben sie dann am Samstag nach Pfingsten den Verein Gebets-Kraftwerk gegründet. Der bietet seit August an allen Tagen der Woche an verschiedenen Orten in Eschweiler und in Düren-Birkesdorf die Möglichkeit zum Gebet, mal in stiller Anbetung, mal eher meditativ oder als Vesper bei Kerzenschein. Seit Kurzem gibt es unter der Überschrift „Power-Station“ außerdem alle zwei Wochen einen Nachmittag mit Lobpreis, Vortrag und Gebetszeit. 
Langfristig sucht das „Gebets-Kraftwerk“ nach eigenen Räumen. Am liebsten eine Wohnung, um Gott nicht nur symbolisch „Wohnung mitten unter den Menschen“ zu geben. Gerne in einem Viertel, wo ganz unterschiedliche Menschen zusammenleben. Auch Musiker, die sie regelmäßig mit „moderner Lobpreismusik“ unterstützen, wie Michael Datené es umschreibt, wären klasse. „Eine Gebetsbewegung des 21. Jahrhunderts darf auch danach aussehen und klingen.“ Wichtig ist ihm und dem Vorstandsteam, Menschen in einer zeitgemäßen Weise anzusprechen, um mit ihnen Antworten auf die Fragen unserer Zeit zu suchen.


>> Was treibt die Mitgründer an?

„Ich finde es spannend, als Mitgründerin die Richtung mit prägen zu können. Zu schauen, welche Varianten des Gebets es gibt“, sagt Celeste Schoenen. Gemeinsam mit einer Mitbeterin bietet sie ein Gebet mit Meditation, Fantasiereise und Gespräch an, das sich besonders auch an junge Menschen wie sie selbst richtet.

Fabian Capellmann hat sich als Erwachsener firmen lassen und darüber auch erlebt, „wie wohltuend Gebet sein kann, wie Glaube einen weiterbringt und dass das nichts Abgehobenes ist“. Das würde er gerne auch anderen in angenehmer Atmosphäre vermitteln. Maria Bohnen, evangelische Christin, hat Ostern erstmals von der Initiative gehört, zu einer Zeit, wo Corona sie sehr belastet habe, wie sie erzählt. „Ich war beim 24/7-Gebet dabei, und es hat Freude gemacht zu spüren, wie Beten unter die Haut geht und man sich fester im Leben fühlt durch das Gebet.“ – „Es gibt so viele Gebetsformen wie Menschen. Darin Gott in unserem Leben zu preisen, sollten wir eins sein“, erklärt Helmut Rövenich, warum es so wichtig ist, dass das Kraftwerk ökumenisch ist. Seine Frau ergänzt: „Im Gebet entwickelt sich Verbundenheit, Liebe, Wohlwollen.“


>> Wo und wie beten Sie am liebsten?

„Samstags beim gemeinsamen Gebet, in der Natur. Beten kann man überall. Ich übe das freie Gebet und bin da auf einem guten Weg“, erklärt Maria Bohnen. Für Fabian Capellmann dagegen ist der Ort wichtig. „Ich bete auf der Couch, nach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen. Außerdem mag ich das Stundengebet, das dann aber am liebsten mit anderen.“ Celeste Schoenen braucht das Gebet für sich. Sie bete allein und zum Tagesausklang, allerdings nicht jeden Abend. „Da trage ich vor Gott, wofür ich dankbar bin oder auch, wo es mir an dem Tag nicht so gut gegangen ist.“

Für Jutta Rövenich ist es ganz unterschiedlich, auch sie mag das Stundengebet, betet aber auch schon mal Lobpreislieder auf dem Arbeitsweg im Auto. In der Coronazeit habe sie sich regelmäßig Zeit genommen, um in der Bibel zu lesen. „Im Sommer habe ich mich mit dem Jesus-Gebet beschäftigt. Wenn man in der Natur den Sonnenaufgang betrachtet, jubelt das Herz von selbst“, erzählt Helmut Rövenich. Über das Kraftwerk eröffne sich eine weitere Quelle: das Gebet in Gemeinschaft. Das tägliche Gebet gehört für Michael Datené als Priester dazu, aber über das Gebets-Kraftwerk habe auch er für sich noch einmal neu in die Spiritualität gefunden, probiere nochmal andere Wege und Formen aus. 

Infos und Termine: www.gebetskraftwerk.de