Streiten und Vertragen oder: Ich will kein dummer Esel sein

Spatz im Regen (c) Bild von Alexey Marcov auf Pixabay
Datum:
Fr. 17. Juli 2020

Es ist ein früher Morgen in der dritten Ferienwoche. Müde schlurft Eschi aus dem Zelt in Richtung Haus. Heute Morgen gibt es drinnen in der Küche Frühstück, denn es regnet.

Das passt Eschi gar nicht, eigentlich wollten Eli und er heute richtig lange mit dem Fahrrad fahren, sich den Wind um die Nase wehen lassen und irgendetwas Spannendes entdecken.

Das fällt im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser, es regnet wie aus Eimern.

 

Jetzt muss Eschi schnell rennen, damit er nicht pitschenass wird und schon passiert es: Er rutscht auf einem nassen Blätterhaufen aus und patsch, liegt er auf der Nase. Er hat sich nicht weh getan, aber er ist nass und dreckig.

Und dann hört er Eli auch noch lachen.                                             

Das ist etwas, was Eschi gar nicht leiden kann: Wenn er ausgelacht wird.

Er dreht sich um und schreit Eli entgegen: „Hör auf mit deinem dummen Gelache. Siehst du denn nicht, dass das ein Unglück war. Du dummer Esel, ich will nicht immer ausgelacht werden.“

Das Lachen bleibt Eli im Halse stecken. Er schüttelt sich einen Moment, dann brüllt er zurück: „Selber dummer Esel. Mach die Augen auf, dann rutschst du auch nicht auf einem Blätterhaufen  aus. Und übrigens: Ich kann nicht dafür, dass es regnet.“      

Eschi habt die Hufe, als wollte er Eli schlagen. Er schnaubt: „Sag noch einmal dummer Esel zu mir, dann…, dann…, ach ich weiß nicht und jetzt lass mich in Ruhe.“

Eli schüttelt empört den Kopf und schreit: „Du hast mich doch zuerst beschimpft. Merk dir mal, ich bin nicht dumm. Du bist dumm, weil du denkst, ich wäre dumm.

Und überhaupt ist mir das zu blöd mit dir. Ich rufe jetzt meine Mama an und die holt mich dann nach Hause. Dann kannst du dir jemanden anders suchen, der….!“

Jetzt kommt Elis Opa aus der Küchentür. Er bleibt vor den beiden stehen und schüttelt nur den Kopf. Er fragt: „Was genau ist denn mit euch beiden los.“

Eschi und Eli reden wild durcheinander: „Der hat blöder Esel gesagt.“ „Nein, hab ich nicht, ich hab dummer Esel gesagt…!“ „Ja genau, und deshalb gehe ich jetzt nach Hause, ich bin nicht so dumm und bleibe weiter hier.“ „Ja, hau nur ab! Das tust du ja immer, und ich bin dann der Dumme, der alles ganz allein ausbaden musst.“

Opa hört sich das eine ganze Weile an, dann schnappt er sich den einen links und den anderen rechts und hält sie einfach fest. Er sagt energisch: „So und jetzt ist Schluss. Ihr seid beide dumm, weil ihr euch darum streitet, wer dümmer ist. So ein Quatsch am frühen Morgen.

Eschi, wie siehst du überhaupt aus? Warum bist du so dreckig?“

Eli fängt schon wieder an zu glucksen, aber eigentlich will er nicht lachen. „Eschi ist hingefallen, weil er auf nassen Blättern ausgerutscht ist. Und ich hab ihn ausgelacht und dann haben wir uns 

gegenseitig beschimpft.“

Eschi redet weiter: „Ja, und eigentlich bin ich wütend, weil unsere Fahrradtour heute ins Wasser fällt.“

Opa muss sich wie Eli das Lachen verbeißen und sagt dann so ernst wie er kann: „Und was ist jetzt die Dummheit daran?“

Eschi wird rot und sagt: „Eigentlich gibt es keine Dummheit dabei. Über nasse Blätter rutscht man halt manchmal aus und für einen anderen sieht das dann lustig aus.“

Eli stimmt zu und sagt: „Bei dem schlechten Wetter kann man ja auch wirklich schlechte Laune kriegen, besonders, wenn man sich auf einen Fahrradausflug gefreut hat.“

Opa sagt: „Und doch war Dummheit dabei, ihr habt nämlich beide nicht nachgedacht. 

Jetzt seid ihr wieder meine beiden klugen Eseljungen, weil ihr selber erkannt habt, warum ihr euch gestritten habt. Ich denke, ihr könnt euren Streit jetzt beenden und wir gehen zusammen frühstücken.

Und ihr habt überhaupt etwas vergessen: Elis Mama hat heute Geburtstag und deshalb geht Eli heute und morgen nach Hause, um zu feiern. Und Eschi – deine Mama hat dir etwas ganz Wichtiges zu sagen. Da darfst du gespannt sein. Und jetzt rein mit euch – ich will nicht länger nass werden.“

AM  ÜBERNÄCHSTEN  TAG – MITTAGS

Eschi kann es kaum erwarten, Eli wieder zu sehen. Zu toll und zu besonders ist die Neuigkeit, die er von seiner Mama erfahren hat.

Endlich klingelt es an der Haustür und Eschi rennt an die Tür. Er reißt sie auf und sprudelt sofort los: „Du Eli, ich weiß was ganz Tolles! Meine Mama…“

Eli lacht und sagt: „Jetzt lass mich doch erst mal reinkommen. Ich hab hier eine Schüssel mit Kuchen, die muss ich erst abstellen, die ist nämlich verflixt schwer.“

Eschi ist etwas geknickt: „Oh, entschuldige, aber es ist doch so toll, was ich dir erzählen will.“

Jetzt kommt Eschis Mama und nimmt Eli die Kuchenschüssel ab. „Na, dann geht schon in Eschis Zimmer. Und später gibt es Kuchen.“

Die beiden verziehen sich aber lieber in den Garten ins Zelt. Dort setzen sie sich auf ihre Matratzen und jetzt kann Eschi endlich seine große Neuigkeit loswerden: „Du Eli stell dir vor, Mama bekommt ein Baby, ein richtiges kleines Eselbaby. Und ich werde ein großer Bruder. Dann bin ich nicht mehr das einzige Kind in unserer Familie. Ist das nicht toll?“

Eli sagt erst einmal gar nichts. Damit hat er nicht gerechnet. 

Dann sagt er: „Das ist ja eine Neuigkeit.“

Eigentlich weiß er nicht, ob er sich mit Eschi freuen soll. Er weiß doch, wie sehr Eschi kleine Kinder mag. Vielleicht hat Eschi dann gar keine Zeit mehr für ihn, er ist ja nur der Freund und nicht der Bruder oder die Schwester.

Eschi spürt, dass Eli sich nicht richtig freut und er fragt vorsichtig: „Du Eli, freust du dich nicht? Was ist denn los?“

Eli spürt, dass ihm die Tränen kommen. Was ist er doch für ein dummer Esel! Eschi, sein bester Freund, bekommt ein Geschwisterchen und er ist …. ja, er ist eifersüchtig, weil er denkt, Eschi braucht ihn dann nicht mehr.

Aber dann erinnert er sich, was Eschis Opa nach dem Streit von vorgestern gesagt hat. Dumme Esel denken nicht nach und kluge Esel erkennen, was verkehrt ist. Und er will ein kluger Eseljunge sein, deshalb legt er Eschi seinen Arm um die Schulter und sagt: „Natürlich freue ich mich mit dir. Du bist doch mein bester Freund und das bleibst du immer für mich. Und ich will immer dein bester Freund sein, auch, wenn wir uns mal streiten und einer von uns dumme Gedanken über den anderen hat. Wir sind beste Freunde und das bleibt so. Und auf das kleine Eselbaby passen wir zusammen auf, damit ihm nichts passiert.“

Eschi nickt. Er spürt, dass Eli gerade etwas ganz Wichtiges gesagt hat und darüber freut er sich. 

Und jetzt will er mit Eli endlich die große Fahrradtour machen, sich den Wind um die Nase wehen lassen und irgendetwas Spannendes entdecken. 

Schließlich sind er und Eli beste Freunde und machen alles zusammen.